Clusterexkursion nach Estland – ein digitaler Vorreiter im Baltikum

Im Forschungsprojekt Cluster „Zukunft der Pflege“ arbeiten wir daran, pflegerisches Handeln mittels innovativer Technologien weiterzuentwickeln und so die pflegerische Versorgung zukunftssicher mitzugestalten.

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sind Clusterexkursionen. Auf diesen Reisen besuchen wir internationale Einrichtungen, um digitale Lösungen und erfolgreiche Versorgungsansätze kennenzulernen und neue fachliche Impulse zu gewinnen.
Den Auftakt der Exkursionen bildete im Jahr 2025 ein Besuch in Dänemark.

Unsere zweite Clusterexkursion führte uns – Michael Weiß und Annett Wagner vom Pflegepraxiszentrum Hannover – gemeinsam mit zehn Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Standorten des Forschungsclusters im April 2026 nach Estland. Drei Tage lang sammelten wir Eindrücke aus einem der digital fortschrittlichsten Gesundheitssysteme Europas.
Ausgangspunkt unserer Besuche war die architektonisch und kulturell beeindruckende Hauptstadt Tallinn.

Exkursionstag 1:

Tallinn University of Technology (TalTech)

Am ersten Exkursionstag erhielten wir am Vormittag an der Tallinn University of Technology (TalTech) von Kadi Krinal (Head of the Centre for the Digital Health) und Doris Kaljuste (Program Director for Digital Health MSc), umfangreiche Einblicke in den M.Sc.-Studiengang „Digital Health“ und die Ausbildung von Expertinnen und Experten für den digitalen Wandel im estnischen Gesundheitswesen.  

Besonders beeindruckend: Estlands landesweite digitale Infrastruktur, die sämtliche digitale Gesundheitsangebote und medizinische Daten der Bürger:innen Estlands sicher miteinander verknüpft. Zentral ist dabei die volle Datenhoheit der Bürger:innen: Sie können nicht nur nachvollziehen, wer auf ihre Daten zugreift, sondern diese Zugriffsrechte selbst festlegen und anpassen. Die Daten werden auch für wissenschaftliche Forschung und statistische Auswertungen genutzt.

Im Anschluss an eine kurze Führung durch die Räumlichkeiten der TalTech setzten wir unsere Exkursion ins 25 km entfernte Keila zum Elora Hospital fort.

Elora Hospital in Keila

Im Elora Hospital wurde deutlich, wie Krankenhausversorgung und Langzeitpflege eng verzahnt organisiert sind. Digitale Tools unterstützen den Arbeitsalltag, Prozesse sind klar strukturiert, und die Versorgung ist durchgängig gedacht. Während einer Führung durch den Komplex erhielten wir einen konkreten Eindruck davon, wie das Zusammenspiel von pflegerischem Handeln und Digitalisierung praktisch umgesetzt wird.

Exkursionstag 2:

Viljandi Hospital – Versorgung neu organisiert

Der zweite Exkursionstag begann früh; auf dem Programm stand eine Fahrt ins rund 150 km entfernte Viljandi. Dort besuchten wir das 2025 eröffnete SA Viljandu Haigla, eines der modernsten Krankenhäuser Estlands. Mart Kull, Mitglied des Vorstands und Chief Medical Officer des Viljandi General Hospital, gab uns gemeinsam mit hochspezialisierten Pflegefachpersonen einen umfassenden Einblick in die Organisationsstrukturen und die enge Verzahnung der unterschiedlichen Versorgungsbereiche des Hospitals.

Das Konzept des bis ins kleinste Detail architektonisch durchdacht geplanten Hauses setzt auf integrierte Versorgung, eine starke Pflegeprofession sowie auf versorgungsunterstützende Technologien.

Besonders inspirierend: das Hospital@Home, bei dem Pflegefachpersonen die Versorgung von Patient:innen zu Hause übernehmen – telemedizinisch begleitet durch Ärztinnen und Ärzte. Die stationäre Versorgung wird so zunehmend in den häuslichen Bereich verlagert und die Behandlungsergebnisse sind gleichwertig zur stationären Versorgung. In Kooperation mit der Estnischen Krebsgesellschaft sichern zudem mobile Einheiten wie Computertomografie‑Scanner und Mammographie‑Busse eine adäquate Gesundheitsversorgung mit präventiven Krebsfrüherkennungsprogrammen in abgelegenen ländlichen Regionen Estlands.

Exkursionstag 3:

Am dritten und letzten Tag der Exkursion ließen wir am Vormittag zunächst in einem gemeinsamen Meeting die Eindrücke der vergangenen Besuche Revue passieren und ordneten die vielfältigen Impulse ein.

North Estonia Medical Centre

Den letzten Programmpunkt unserer Reise bildete ein Besuch im North Estonia Medical Centre. Chief Medical Innovation Officer Terje Peetso stellte uns die Einrichtung, ihre digitale Infrastruktur sowie die Rolle der Klinik innerhalb der Patientenversorgung Estlands vor – verbunden mit einer Führung durch den intensivmedizinischen Bereich.

Nach dem letzten Programmpunkt traten wir die Heimreise nach Hannover an – mit vielen Eindrücken aus einem Land, von dem wir im Bereich digitaler Gesundheitsangebote viel lernen können.

Wir danken allen Beteiligten für den wertvollen Austausch und die bereichernde Zeit in Estland.

Michael Weiß und Annett Wagner