Im Februar wurde die erste Promotion aus dem PPZ Hannover unter dem Titel „Als der Faden der Ariadne schwang – Die Resonanztheorie als Orientierungshilfe durch das Labyrinth der Implementierung von Technologie in der Pflege“ erfolgreich verteidigt. Ein kurzer Bericht
Die digitale Transformation der Pflege ist seit Jahren ein zentrales Thema in Praxis, Politik und Forschung. Entsprechend hoch sind die Erwartungen beispielsweise an digitale Dokumentationssysteme, Sensorik und robotische Anwendungen – insbesondere in Bezug auf die Entlastung von Pflegefachpersonen, eine bessere Versorgungsqualität und effizientere Prozesse. Gleichzeitig bestehen gerade im sensiblen Feld der pflegerischen Versorgung und Begleitung auch Sorgen – etwa, dass Technologie menschliche Beziehungen negativ beeinträchtigt und entfremdet und Pflegemaßnahmen in unzulässiger Weise technisiert und überwacht werden. Dieses Spannungsverhältnis bildet den Ausgangspunkt der nun abgeschlossenen und am 17. Februar 2026 verteidigten Promotion des wissenschaftlichen Mitarbeiters Ronny Klawunn.
Die Promotion entstand im Rahmen des BMBF-finanzierten Projekts Pflegepraxiszentrum Hannover (PPZ) und wurde dem ersten Cluster „Zukunft der Pflege“ (2018 bis 2024) zugeordnet. Sie basiert auf der Erprobung verschiedener digitaler Technologien auf einer unfallchirurgischen Station der Medizinischen Hochschule Hannover. Ziel war es, nicht nur zu fragen, ob Technik funktioniert, sondern wie sie in der pflegerischen Versorgung erlebt und genutzt – oder auch bewusst nicht genutzt – wird.
Die Sicht der Patient:innen
Im ersten Teil der Arbeit wurden Interviews mit Patient:innen zu Erwartungen an neue Technologien vor der Einführung durchgeführt. Sie zeigen deutlich: Neue Technologien werden weder pauschal begrüßt noch grundsätzlich abgelehnt. Vielmehr bewerten Patient:innen mögliche Effekte sehr differenziert. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, ob Technik spürbar unterstützt, sicher funktioniert und die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt. Patient:innen reagieren besonders sensibel auf potenzielle Veränderungen in der Beziehung zu Pflegefachpersonen; ein vollständiger Ersatz menschlicher Pflege wird klar abgelehnt.
Die ausführlichen Ergebnisse dieser Studien können hier nachgelesen werden (Link).
Die Sicht der Pflegefachpersonen
Grundlage des zweiten Teils der Arbeit sind teilnehmende Beobachtungen, die während der Implementierung konkreter Technologien auf der unfallchirurgischen Projektstation der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich: Erfolgreich sind vor allem Systeme, die Pflegefachpersonen tatsächlich entlasten, zuverlässig im Hintergrund laufen und sich gut in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen. Technologien dagegen, die zusätzlichen Aufwand erzeugen oder Versprechen nicht einlösen, werden – trotz potenziellen Nutzens – nicht dauerhaft angewendet.
Die ausführlichen Ergebnisse dieser Studien können hier nachgelesen werden (Link).
Theorie der Resonanz
Den theoretischen Rahmen der Arbeit bildet die Resonanztheorie von Hartmut Rosa, die in der Doktorarbeit auf den Kontext Pflege und Technologie übertragen und weiterentwickelt wird. Resonanz beschreibt gelingende, wechselseitige Weltbeziehungen – zwischen Menschen, aber auch zu Dingen, Tätigkeiten und existenziellen Erfahrungen. Anhand der Daten aus dem Forschungsprozess kann gezeigt werden, wie Technologien entweder Beziehungen stärken, neutral bleiben oder entfremdend wirken.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist: Technologie ist in der Pflegehandlung nicht per se resonanzfördernd oder -hemmend. Beides ist möglich. Entscheidend ist die Ausgestaltung der Implementierungsprozesse im Rahmen des partizipativen Einbezugs der Beteiligten, die Eröffnung von Spielräumen bei der Technologienutzung über verengte Standardprozesse hinweg und die Passung zur professionellen Pflegepraxis. Sind diese Faktoren stimmig, können Pflegefachpersonen Technologien gezielt einsetzen, um resonante Beziehungen zu stärken und Entfremdung gegenüber Patient:innen zu verhindern.
Bald verfügbar
Die Promotion befindet sich aktuell in der Veröffentlichung. Die vollständige Arbeit wird im Laufe des Jahres 2026 an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover publiziert und steht dann allen Interessierten aus Pflegepraxis, Wissenschaft und Technikentwicklung zur Verfügung.
Ronny Klawunn




