„Digital am Handgelenk, ethisch im Blick“: Unser Beitrag zum 3. Pflegeethik-Kongress 2026 in Göttingen

Der 3. Pflegeethik‑Kongress an der Universitätsmedizin Göttingen hat Räume geschaffen, in denen ethische Reflexion, fachliche Verantwortung und gelebte Haltung in der Pflege im Mittelpunkt standen. Drei Tage voller intensiver Gespräche, wissenschaftlicher Impulse und eindrücklicher Stimmen aus der Praxis machten deutlich, dass Pflegeethik kein Randthema ist – sondern Fundament professionellen pflegerischen Handelns.

Unser PPZ-Hannover Beitrag: Wearables im Kontext Pflege – Ein Spagat zwischen Autonomie und Privatsphäre?

Mit unserem Workshop haben wir eine Diskussion eröffnet, die angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in der Pflege aktueller denn je ist. Wearables, etwa Smartwatches zur Vitalparameterüberwachung, halten zunehmend Einzug in den Pflegealltag. Sie versprechen höhere Versorgungsqualität und Effizienz – fordern aber zugleich eine kritische ethische Auseinandersetzung heraus. Im Zentrum unseres Workshops standen Fragen wie:

👉 Wie lässt sich die Autonomie und Privatsphäre von Menschen mit Pflegebedarf wahren, wenn digitale Technologien zum Einsatz kommen?

👉 Welche Verantwortung tragen pflegende Angehörige und professionell Pflegende im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten?

👉 Wie können technologische Hilfsmittel sinnvoll integriert werden, ohne die Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten zu gefährden – sondern sie zu stärken?

Anhand eines konkreten Fallbeispiels und der interaktiven Methode des World‑Cafés diskutierten die 16 Teilnehmenden Chancen und Risiken zum Einsatz von Wearables in einer Einrichtung der stationären Langzeitversorgung aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie nahmen wechselnde Rollen ein – als pflegende Angehörige oder als Menschen mit Pflegebedarf – und diskutierten   Werte wie Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Wohlbefinden, Teilhabe und Privatheit.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden machten deutlich, dass insbesondere der Rollenwechsel im World‑Café sowie die Arbeit mit konkreten Wertperspektiven als hilfreich erlebt wurden, um eigene Haltungen zu schärfen und Unsicherheiten im Umgang mit Wearables sichtbar zu machen. Damit trug der Workshop dazu bei, ethische Reflexion im Pflegealltag zu verankern und technologiebezogene Entscheidungen nachvollziehbar, beteiligungsorientiert und wertebasiert zu treffen.

Verantwortung, Haltung, Dialog und Sichtbarkeit

Neben unserem Workshop bot der Kongress zahlreiche weitere Impulse zu moralischen Herausforderungen im Pflegealltag – von Sorgekonflikten über ethische Fragen in der Pflegebildung bis hin zur Digitalisierung. Eindrucksvoll war die Filmvorführung von „Heldin“ im Kino Lumière, die den Pflegeberuf mit großer Ehrlichkeit und emotionaler Tiefe beleuchtete. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich: Pflege braucht Sichtbarkeit, aber keine romantisierte Überhöhung. Es geht um Realität, Verantwortung und gesellschaftliche Anerkennung.

Neben den spannenden Vorträgen und Diskussionen schätzen wir besonders die persönlichen Begegnungen – die vielen Gespräche in den Pausen mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Diese Dialoge machen Kongresse lebendig und fördern das, was Pflegeethik im Kern ausmacht: gemeinsames Nachdenken über gutes Handeln im Alltag.

Der Podcast „PflegeFaktisch“ hat den Kongress begleitet und Stimmen, Eindrücke und Themen in mehreren Sonderfolgen eingefangen – fundiert, kritisch und praxisnah. Die Folgen können über alle gängigen Podcast-Plattformen oder direkt unter Pflegeethik-Kongress 2026 – Podcast abgerufen werden.

Ein großer Dank geht an die Veranstaltenden – die Ethikkommission für Berufe in der Pflege Niedersachsen, das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der UMG, die AEM sowie den Pflege‑ und Pflegefunktionsdienst der Universitätsmedizin Göttingen – für die Organisation eines Kongresses, der Haltung erlebbar machte.

Es war uns eine Freude, beim 3. #Pflegeethikkongress mitzuwirken – und gemeinsam darüber nachzudenken, wie pflegerische Versorgung mit Unterstützung von innovativen Technologien zwischen Autonomie und Fürsorge neu ausbalanciert werden kann.

 Link zur Website: Pflegeethik-Kongress 2026

Eva Heithecker, Ronny Klawunn und Stephanie Wullf