„Den Transfer von Beginn an mitdenken…“ –Impressionen von dem 25. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung in Köln  

Vom 23. bis 25. September 2026 fand an der Uniklinik Köln der 25. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) unter dem Motto „Menschen. Beziehungen. Organisationen. 25 Jahre gemeinsame Versorgungsforschung“ statt. Für mich war insbesondere der zweite Kongresstag von einer zentralen Botschaft geprägt: Erfolgreiche Innovation endet nicht mit der Entwicklung einer neuen Intervention oder Technologie. Entscheidend ist, ob sie den Weg in die Praxis findet und dort langfristig Bestand hat. 

Besonders eindrücklich wurde dies in der Podiumsdiskussion „Herausforderungen der Gesundheitsversorgung mit dem Innovationsfonds begegnen“. In einem Impulsvortrag von Frau Prof. Juliane Köberlein-Neu wurde betont, dass die Implementierungswissenschaft den Auftrag habe, Wissen zu schaffen, das die Praxis unterstützt. Gleichzeitig verdeutlichte sie deutlich: „Die Verbindlichkeit muss das System schaffen.“ Damit rückte eine zentrale Frage anwendungsorientierter Forschung in den Fokus: Wie gelingt die Überführung erfolgreicher Innovationen in die Regelversorgung? 

Direkt anschließend wurde eine weitere Perspektive beleuchtet: Rechnet sich Innovation überhaupt? Die Diskussion verdeutlichte, wie bedeutsam gesundheitsökonomische Evaluationen für die nachhaltige Verankerung von Innovationen in der Versorgungspraxis sind. Wirksamkeit allein reicht nicht aus. Auch Wirtschaftlichkeit und Ressourceneinsatz müssen frühzeitig mitgedacht werden. 

Gerade diese beiden Themenfelder, Implementierung und gesundheitsökonomische Bewertung, haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Umso mehr wurde mir bewusst, dass das Pflegepraxiszentrum (PPZ) Hannover innerhalb des Clusters „Zukunft der Pflege“ genau diesen Weg verfolgt. Bereits in der Konzeption des Vorhabens wurden Strategien zur nachhaltigen Implementierung digitaler Pflegetechnologien sowie gesundheitsökonomische Fragestellungen als zentrale Bestandteile verankert. 

Am Nachmittag des zweiten Kongresstages durfte ich selbst einen Beitrag zum wissenschaftlichen Programm leisten. Unter dem Titel „Wenn der Kontext den Takt vorgibt: Barrieren und Treiber der Implementierung digitaler Pflegetechnologien in der ambulant-pflegerischen Versorgung“ stellte ich erste Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung vor. Die Analysen verdeutlichen die Bedeutung von Kommunikationsstrukturen, organisationsinternen Prozessen sowie der Unterstützung individueller Lern- und Veränderungsprozesse für eine erfolgreiche Implementierung digitaler Innovationen. 

In derselben Session präsentierte Musa Dukuray Ergebnisse seiner Studie zu ökonomischen und vergütungsbezogenen Einflussfaktoren auf die Etablierung von Telepflege-Technologien in der ambulanten Pflege. Im Fokus standen dabei bestehende Vergütungslogiken, die Finanzierung von Implementierungsaufwänden und die Frage, welche wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit digitale Technologien dauerhaft in die Versorgung integriert werden können. 

Die beiden Beiträge ergänzten sich in besonderer Weise: Während mein Vortrag die organisations- und kontextbezogenen Voraussetzungen erfolgreicher Implementierung beleuchtete, richtete Musas Arbeit den Blick auf die finanzielle und vergütungsbezogene Seite der nachhaltigen Etablierung digitaler Technologien. Gemeinsam spiegelten beide Beiträge die zentrale Botschaft des Kongresses wider: Erfolgreicher Transfer erfordert sowohl implementierungswissenschaftliche Erkenntnisse als auch tragfähige Finanzierungs- und Vergütungsstrukturen. 

Der Kongress hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Stellenwert die Implementierungswissenschaft mittlerweile innerhalb der Versorgungsforschung einnimmt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Überführung von Innovationen in die Regelversorgung weiterhin eine Herausforderung bleibt. Gerade deshalb erscheint die zentrale Botschaft des Kongresses aktueller denn je: Wer nachhaltige Veränderungen in der Versorgung erreichen möchte, sollte den Transfer von Anfang an mitdenken. 

Wenn Sie diese zentrale Botschaft bewegt, dann sollten Sie sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen, um auf unserer Konferenz „Zukunft der Pflege“ am 13. & 14. April 2027 darüber weiter zu diskutieren und sich auszutauschen. 

Deliah Katzmarzyk-Sauerwald

© PPZ Hannover