Gepflegt in die Zukunft – wie Pflege sich verändert und welchen Einfluss Technologien dabei haben
Unter dieser Überschrift veranstaltete die Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover am 28. Oktober im Rahmen ihres Programms „Gesundheitsbildung für alle“ einen zweistündigen Themenabend.
Die Pflege von Menschen – in ihrem Zuhause, in ambulanten Diensten, in stationären Einrichtungen und in vielen weiteren Versorgungsbereichen – verändert sich spürbar
Immer mehr Technologien halten Einzug mit dem Ziel, das pflegerische Handeln zu ergänzen, zu unterstützen und zu erleichtern.
Vor diesem Hintergrund gab Dr. Regina Schmeer-Oetjen, Projektleitung des Pflegepraxiszentrums (PPZ) Hannover, in ihrem Vortrag „Gepflegt in die Zukunft – wie Pflege sich verändert und welchen Einfluss Technologien dabei haben“ detaillierte Einblicke in die Arbeit des Pflegepraxiszentrums Hannover und zeigte, wie das pflegerische Handeln der Zukunft aussehen könnte.
Das Team des PPZ Hannover war mit fünf interaktiven Lernstationen vertreten und begleitete die Besucher:innen direkt an den Stationen. So konnten diese im Anschluss an den Vortrag innovative Technologien kennenlernen, selbst ausprobieren und sich dabei individuell durch die Mitarbeiter:innen des PPZ unterstützen lassen.
An der Lernstation „Einsatz von sensorbasierter Technik zur Sturzprophylaxe in der Häuslichkeit“ vermittelte Deliah Katzmarzyk kompaktes Wissen zu zentralen Fragen:
- Was ist sensorbasierte Technik?
- Wie kann ich diese in meiner eigenen Häuslichkeit einsetzen?
- Werde ich dabei eigentlich überwacht?
- Wo finde ich Beratung und Unterstützung zu dem Thema?
Anhand einer mitgebrachten Beispieltechnologie entstand ein reger Austausch. Die Besucher:innen stellten kritische Fragen und diskutierten aktiv über Einsatzmöglichkeiten im eigenen Zuhause. Die Gespräche zeigten deutlich, dass das Potenzial unterstützender Technologien bekannt ist – zugleich aber oft von einer spürbaren Skepsis gegenüber der Datenverwendung begleitet wird.
Mit einem besonders interaktiven Charakter präsentierte sich die Lernstation „Zukunft ist jetzt – mit VR‑Anwendungen spielerisch therapieren“. Brit Rebentisch‑Krummhaar ermöglichte dem interessierten Publikum der Patientenuniversität, Wissen zu erwerben und praktische Erfahrungen zu folgenden Fragen zu sammeln:
- Was ist Virtual Reality und wie kann sie z.B. in der Therapie eingesetzt werden?
- Welche Möglichkeiten bietet sie für Patient:innen?
- Wie fühlt sich die Therapie in einer virtuellen Umgebung an?
- Welche Chancen und Grenzen hat der Einsatz digitaler Technologien in der Gesundheitsförderung?
In einem offenen und sehr lebhaften Austausch wurden Eindrücke geteilt und Fragen sowie mögliche Sorgen zur praktischen Umsetzung und Akzeptanz diskutiert. Die Gespräche zeigten, dass das Interesse an innovativen digitalen Tools groß ist, insbesondere, wenn diese anschaulich, interaktiv und praxisnah gestaltet sind.
Digital ging es auch an der Lernstation „Digitale Unterstützung am Handgelenk – Smartwatches für Pflege und Vorsorge und „Meine digitale Mitbewohnerin – Anne4Care“ von Eva Heithecker und Stephanie Wullf weiter. Die Besucher:innen der Patientenuniversität konnten sich dort über den Einsatz von Smartwatches sowie der App Anne4Care – einem digitalen Avatar für die Häuslichkeit – informieren. Im Mittelpunkt der Gespräche standen dabei zentrale ethische Werte wie Selbstbestimmung, Privatheit, Sicherheit, Fürsorge und Verantwortung.
Unter Berücksichtigung der ethischen Aspekte wurden insbesondere folgende Punkte erörtert:
- Welche Erfahrungen mit digitalen Technologien haben Sie?
- Was sollte eine digitale Technologie können?
- Wobei könnte eine digitale Technologie Sie unterstützen?
- Haben Sie Bedenken, eine Smartwatch zu tragen oder einen Avatar in Ihrer Häuslichkeit zu haben?
Durchweg zeigte sich an dieser Lernstation eine große Offenheit und Interesse beim Publikum. Die Notwendigkeit des Einsatzes digitaler Technologien wurde gesehen – zugleich war ein gewisses Maß an Skepsis und kritischem Hinterfragen deutlich spürbar.
Einen Einblick in die Zukunft der Wundversorgung gewährte Annett Wagner an der Lernstation „Wundversorgung der Zukunft – intelligent, digital, nachhaltig“.
Dort informierte sie zu folgenden Themen:
- Vorteile der Standardisierung der Wundanamnese.
- Die Technologie „CureVison“, einsetzbar für die kontaktlose, schnelle und präzise digitale Wundanamnese und -dokumentation.
- Einsatz von Kaltplasma-Aerosol mit „Plasmo®Heal“ im Rahmen der Wundversorgung
Interessierte mit und ohne (pflege)fachlichen Hintergrund erhielten anhand der vorgestellten Technologien Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Wundversorgung. Besonders große Aufmerksamkeit galt dem Kaltplasmaaerosol: Die Anwendung auf der Haut wurde gern ausprobiert.
Kritisch diskutiert wurden die Verfügbarkeit dieser Technologien außerhalb klinischer Settings, z.B. im häuslichen Umfeld oder in ärztlichen Praxen sowie mögliche, mit der Anwendung verbundene Kosten für Patient:innen.
Abschließend bot der Diskussionstisch „Technologie und Pflege – ersetzend oder unterstützend?“ den Besucher:innen die Möglichkeit, gemeinsam mit unserem Projektmitarbeiter Ronny Klawunn über sechs provokant formulierte Thesen zu diskutieren, u.a.:
- „Technik in der Pflege bedeutet: Wer digitale Technologien nicht bedienen kann, bleibt auf der Strecke.“
- „Ohne Technologie wird Pflege bald nicht mehr leistbar sein.“
- „Künstliche Intelligenz kann menschliche Kommunikation gut nachahmen und zwischenmenschliche Nähe ersetzen.“
Auf dieser Grundlage entwickelten sich differenzierte Diskussionen mit Besucher:innen, die am Ende einen gemeinsamen Kern hatten:
Ohne Technologie wird es in Zukunft nicht mehr gehen – um niemanden abzuhängen, kommt es jedoch auf die Art und Weise, also einen bewussten Einsatz von Technologie an.